Arbeitsschwerpunkte

Seit vielen Jahren forschen und beraten wir zu den Arbeits- und Lebensverhältnissen von Frauen und Männern in unterschiedlichen Lebensphasen, mit einem besonderen Fokus auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für beide Geschlechter. Der Erfolgt unserer Arbeit liegt in unserer systemischen Betrachtungsweise begründet, die Vereinbarkeit nicht nur als individuelles Problem begreift, sondern eben auch als strukturelle Herausforderung.

Entsprechend breiter ist das fachliche Profil von SowiTra angelegt.

Auch im 21. Jahrhundert stellt Arbeit das zentrale Element der Vergesellschaftung dar. Noch immer ist Arbeit für die Persönlichkeit des Menschen von zentraler Bedeutung, zumal wenn man den Begriff Arbeit nicht ausschließlich auf Erwerbsarbeit verengt.

Neben der Funktion der bloßen Existenzsicherung ist aber gerade die Erwerbsarbeit in unserer Kultur die wichtigste Quelle vielfältiger Lebenserfahrungen und sozialer Identifikation. Derzeit befinden wir uns in einer paradoxen Situation: Auf der einen Seite wird eine stetig steigende Anzahl von Menschen vom Erwerbssystem ausgeschlossen, auf der anderen Seite besteht für eine ebenfalls immer größer werdende Gruppe von Beschäftigten eine zunehmende Gefahr der Entgrenzung von Erwerbsarbeit. Beide Entwicklungstendenzen haben negative Folgewirkungen in individueller, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht.

Da gesamtgesellschaftliche und individuelle Ebene über die Arbeit stark miteinander verknüpft sind, plädieren wir für eine gerechte Verteilung von Erwerbs- und außererwerblicher Arbeit. Erwerbsarbeit muss allen Beschäftigten – Männern wie Frauen – genügend Raum und Zeit für Muße und weitere Tätigkeiten lassen.

Arbeitszeiten stellen auf individueller wie auf gesellschaftlicher Ebene das zentrale zeitliche Steuerungselement dar. Sie wirken als Taktgeber für nahezu alle weiteren Zeiten. Infolge neuer flexibler Arbeitszeitmodelle wird die Arbeitszeit immer öfter ungleichmäßig auf der Zeitachse verteilt. Es wechseln längere und kürzere Arbeitstage, intensive Arbeitsblöcke und erwerbsarbeitsfreie Zeitblöcke einander ab.

Uns geht es bei unserer Arbeit insbesondere um die sozialen Auswirkungen der vorwiegend aus ökonomischen Gründen flexibilisierten Arbeitszeiten. Arbeitszeitflexibilisierung wirken für die Beschäftigten ambivalent: Wenn Arbeitszeiten entgrenzt werden und in vormals private Zeiträume eindringen, wenn gemeinsame Zeiten bedroht sind, wenn das Alltagsmanagement infolge wechselnder Zeiten komplizierter wird und zu einer Überforderung der Beschäftigten führt, so liegen darin besondere Risiken.

Gleichzeitig eröffnen sich durch Arbeitszeitflexibilisierungen neue Chancen der beruflichen Verwirklichung und der Umsetzung individueller Lebensentwürfe für die Beschäftigten. Unser Ziel ist es, die Chancen flexibler Arbeitszeiten zu nutzen und mittels der Entwicklung von bedarfsgerechten Arbeitszeitmodellen die Vereinbarkeitssituation für Frauen und Männer in ihren verschiedenen Lebensphasen und Tätigkeitsfeldern zu verbessern.

Foto_Arbeitsschwerpunkt_Geschlecht_GenderGeschlecht ist keineswegs eine eindeutige und natürlich festgefügte Größe. Geschlecht ist auch ein soziales – und damit grundsätzlich veränderbares – Phänomen. Anders als im Deutschen hält die englische Sprache mit den Begriffen sex (biologisches Geschlecht) und gender (soziales Geschlecht) dafür eine Unterscheidung bereit. Wir interessieren uns für die sozialen Prozesse, in denen das soziale Geschlecht hergestellt wird und seine Wirkung entfaltet.

Das soziale Geschlecht begegnet uns auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Es zeigt sich in individuellen Selbstbildern und Denkgewohnheiten. Es reicht von der Arbeitsteilung in Familien und Beziehungen über die Verteilung von Einkommen bis hin zu Chancen auf berufliche Entwicklung bzw. auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Im Ergebnis sind Lebensbereiche und Chancen auch heute nach wie vor ungleich zwischen Frauen und Männern verteilt.

Das soziale Geschlecht wird im Alltagshandeln erzeugt bzw. darin immer wieder reproduziert. Aus sich heraus hat die Unterscheidung Mann/Frau keine Bedeutung. Aber in dem sie im Alltag eine Bedeutung erhält, wird Geschlecht – häufig ganz absichtslos –sozial hergestellt: sowohl in den Köpfen, als auch in gesellschaftlichen Strukturen.

Aus diesem Grund hat Gender – individuell wie strukturell – sein eigenes Gewicht und kann nicht ohne weiteres verändert werden, auch wenn Veränderung prinzipiell möglich ist. Daher erscheint es so selbstverständlich, von „den“ Männern und „den“ Frauen zu sprechen, obwohl es vielfältige Unterschiede innerhalb der Geschlechtergruppen gibt und zugleich eine große Reihe von Gemeinsamkeiten, die Männer und Frauen miteinander teilen.

Gender Mainstreaming ist eine neue gleichstellungspolitische Strategie, die für solche Fragen offen ist. Wir glauben, dass sie dazu beitragen kann, Herstellungsprozesse und strukturelle Wirkungen von sozialem Geschlecht sichtbar zu machen, sie für eine bewusste Gestaltung zu öffnen und dadurch nachhaltige Veränderung zu ermöglichen: Als Gleichstellung im Verhältnis der Geschlechter zueinander, aber auch ganz persönlich als Kompetenzerweiterung von Frauen und Männern.